April 15, 2013

Verflixter Montag

Eigentlich bin ich ja ein positiver Mensch.
Meckere (fast) nie, freue mich des Lebens und übe, jeden Tag zu "leben" - wie immer man das interpretieren mag.
Aber manchmal, da ist es einfach genug mit nett, positiv, optimistisch.
Manchmal ist es einfach zu viel, und dann schwappe ich ein bisschen über.
Was mir natürlich hinterher furchtbar leid tut, wenn ich dabei Leute auf die Füsse getreten habe. Das ist mir hoffentlich heute nicht passiert...

Heute ist Montag.

Am Montag ist unser Atelier geschlossen.
Was nicht heisst, dass wir "frei" hätten, wie viele Leute denken - nein, es ist der Tag, an dem man ohne Zeitdruck mal zwei Stunden im Wartezimmer irgendeines Arztes hocken kann.
(Und - ich versuche ja immer das beste aus jeder Situation zu machen - endlich Zeit zum Lesen hat!)
Oder in der Schlange bei der Bank stehen, ohne dass man hektisch auf die Uhr schauen muss.
Oder das Chaos in der Wohnung beseitigen (gibt es eigentlich ein Plural für Chaos? Weil die Wohnung ist ja nur einer der Orte, den wir gelegentlich mal von Staub und Dreck befreien müssen ;-)
Dass viele Unfälle im Haushalt passieren, scheint ja belegt zu sein; ich dachte heute jedenfalls, ich steuere mal was zur Statistik bei, in dem ich mir das Rohr des Staubsaugers mit Schwung unter`s Kinn gerammt habe.
Das tat weh, und der schwärzlich-blaue Fleck ist hoffentlich bis zum Wochenende wieder verschwunden.

Und manchmal, ja, manchmal, da kann man auch den lang ersehnten Sonnenschein am Strand geniessen, am "freien Montag".

Heute war das leider nicht drin, denn am kommenden Samstag feiern wir unseren 5-jährigen Ateliergeburtstag, und da gehören ein paar Überstunden eben dazu. 
Soweit so normal...

Aber heute hatte dieser Montag noch ein paar Schmankerln für uns parat, die dann meine heitere Gelassenheit doch kurzfristig kräftig ins Wanken brachten.
Den Anfang machte eine e-mail-Anfrage von der Verkaufsplattform.
Über jede dieser Anfragen freue ich mich erstmal, denn es kann ja grundsätzlich ein Auftrag draus werden.
Heute allerdings ist mir dabei sofort eingefallen, dass in letzter Zeit immer mehr Anfragen ohne Rückmeldung seitens der Interessenten bleiben.
Da habe ich ein bisschen schlechte Laune gekriegt (aber natürlich trotzdem die Anfrage sorgfältig und freundlich beantwortet).
Gerne, wirklich, gerne beantworte ich alle Fragen zu individuellen Wünschen, mache ausführliche Kostenvoranschläge, rechne vier oder fünf verschiedene Varianten aus und lebe seit Jahren damit, dass dann oft (nicht immer, zum Glück!) überhaupt keine Antwort kommt.
Das scheint mittlerweile eine Art Normalität zu sein, uns das gefällt mir nicht.
Ich weiss, dass ich nicht erwarten kann, dass jedem klar ist, wie viel Arbeit und Zeit das Beantworten, Kalkulieren, beim Materialhändler nachfragen usw. beansprucht.
Und ja, auch ich habe mich schon beraten lassen, und habe dann doch nicht bestellt oder gekauft.
Ist doch kein Problem, wenn man sich gegen das Angebot entscheidet, man geht ja keinerlei Verpflichtung ein, solange man keinen "kaufen"-Button gedrückt hat.
Aber ein kurzes "danke für Ihre Informationen und die Beratung" ist doch kein Beinbruch, oder?
Finde ich jedenfalls.
Jedenfalls auf einer Verkaufsplattform, auf der der "persönliche Kontakt" hoch gehalten wird.
Sei`s drum.

Fertig geärgert.

Der nächste Punkt war schon kniffliger:
Das Auto.
Das geliebte, viel zu unwirtschaftliche, alte, durstige Auto.
Der Kangoo...wird jetzt bald 13 und benimmt sich auch so.
Frisst uns mit immer mehr und immer teureren Reparaturen die Haare vom Kopf. 
So weit so normal.
Heute roch es dann wieder so komisch unter der Motorhaube, und der Mann ist in die Werkstatt gefahren.
Es kam:
Das Todesurteil.
"Wissen Sie, bei soooo einem Auto macht man diese Reparatur ja nicht mehr".
Hä?
Wer ist "man" und was ist "sooooo" ein Auto?
Das Todesurteil (bzw. der gut gemeinte Hinweis, dass wir uns doch in näherer Zukunft mal nach einem neuen Auto umschauen sollten) wird von uns natürlich nicht akzeptiert.
Der Kangoo muss jetzt noch bis nächsten Sommer durchhalten, egal wie.
Dann sehen wir weiter.

*panic* 

Und dann...immerhin ist heute Montag...

...habe ich den ersten Brillanten meiner (wenn ich die Lehrzeit mitrechnen darf) fast 16-jährigen Goldschmiede-Karriere beim Einfassen kaputt gekriegt.
Das ist etwas, was normalerweise nicht passiert.
Es sei denn man trifft die Spaltrichtung.
Kristallsysteme und so.
Das ist mir heute also gelungen.

Glücklicherweise war es nur ein kleiner Stein, und es war mein eigener und nicht das geliebte Erbstück einer Kundin.
Seht Ihr, ich denke doch trotzdem immer noch positiv ;-)

Als der Überstunden-Montag dann endlich (Werkstatt-technisch) vorüber war, habe ich das Zumba-Training geschwänzt.
Wer weiss was mir da noch alles passiert wäre ... und habe mir Pizza und Rotwein zum Abendessen gewünscht, statt wie geplant Salat und Pfefferminztee.
Der Mann ist einfach der beste Wünsche-Erfüller unter der Sonne ;-)

Morgen ist ein neuer Tag, und dann werden wir mal anfangen, nach einem Nachfolger für den Kangoo zu suchen.
Nützt ja nix.

Das alles ist total unwichtig, gar nicht wirklich dramatisch oder von irgend einer Bedeutung.
Aber irgendwie musste es heute mal raus.
In dieses Internet.